Dienstag, 8. Oktober 2019

Neue Leitung für Frühchenstation / Bald sollen Frühchen und Familien „Mehr Raum für Nähe“ erhalten

Die Planungen und Vorbereitungsmaßnahmen für die neue Frühchenstation am St. Franziskus-Hospital Münster laufen auf Hochtouren. Sobald im Sommer 2020 die Dialysestation umgezogen ist, beginnen in diesen Räumen die Arbeiten für die neue Intensivstation für Frühgeborene und kranke Neugeborene im zweiten Obergeschoss direkt neben der Wöchnerinnenstation: „Wir freuen uns sehr, dass wir bald unsere kleinen Patienten ganz in der Nähe der Mütter intensivmedizinisch behandeln können. Die weiten Wege sind dann Vergangenheit“, betont der neue Chefarzt der Klinik für Neugeborenen-Medizin (Neonatologie) und Kinderintensivmedizin Dr. Thomas Frank, der die Klinik seit diesem Monat als Chefarzt leitet. Oberärztin Dr. Meike Franssen unterstützt ihn als ständige Vertreterin.

Dr. Thomas Frank wurde in Brake an der Unterweser geboren. Das Studium der Humanmedizin absolvierte er an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. 1986 begann er die fachärztliche Ausbildung für Kinderheilkunde am St. Vincenz Hospital in Coesfeld. Nach fünf Jahren wechselte er zur Weiterbildung in Kinderkardiologie und pädiatrischer Intensivmedizin ans UKM Münster, bevor er 1995 seine Tätigkeit als Oberarzt in der Klinik für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am St. Franziskus-Hospital Münster begann. Zum 1. Oktober 2019 wurde Dr. Frank, der auch die Schwerpunktbezeichnung Neonatologie erworben hat, zum Chefarzt berufen. Der 61-Jahrige ist verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit praktiziert er Tai Chi, unternimmt Ski- und Wandertouren oder entspannt sich beim Lesen. Dr. Meike Franssen ist gebürtige Emsländerin. Sie studierte Humanmedizin in Mainz, Münster und Boston. Berufliche Stationen absolvierte sie ab 2000 im UKM Münster sowie in London und Australien, wo sie in verschiedenen Krankenhäusern als Assistenzärztin in der Kinderintensivmedizin und Neonatologie tätig war. Ab 2009 war sie in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKM Münster als Fachärztin tätig. Sie führt die Schwerpunktbezeichnung Neonatologie, hat die Qualifikation zur Neugeborenen-Notärztin absolviert und die Zusatzbezeichnungen Intensivmedizin und Kinderkardiologie erworben. Seit 2019 ist sie als Oberärztin in der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin am St. Franziskus-Hospital tätig, wo sie seit dem 01.10.2019 auch die ständige Vertretung des Chefarztes innehat. Die 43-jährige Mutter von drei Kindern hält sich mit Laufen fit und findet Entspannung beim Musizieren.

Die neue Klinik für Neonatologie

Das St. Franziskus-Hospital ist ein Geburtszentrum der höchsten Versorgungsstufe und als Perinatalzentrum Level I speziell für die Begleitung von Früh- und Risikogeburten ausgestattet. Rund 450 der mehr als 9.000 kleinen Patientinnen und Patienten, die pro Jahr im St. Franziskus-Hospital Münster behandelt werden, sind Frühchen und kranke Neugeborene, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Das geschieht zurzeit noch in drei Patientenzimmern mit insgesamt zwölf Patientenbetten, die wenig Raum für Nähe bieten. Das Team der Neugeborenen-Intensivmedizin hat den Grundriss und die Ausgestaltung der neuen Räume auf 1.640 qm (aktuell: rund 346 qm) so geplant, dass sie das ganzheitliche Behandlungskonzept optimal unterstützen. Ziel ist es, mit der Anordnung, Einrichtung und Gestaltung der neuen Station die Bindung zwischen Eltern und Kindern und so die Genesung zu fördern. Dazu sollen 14 Patientenzimmer mit je einem oder zwei Betten entstehen. Insgesamt können dort dann zwölf kleine Patienten intensivmedizinisch versorgt werden. Ganz neu hinzukommen sollen hier zwei spezielle „Rooming-In“-Zimmer im Intensivbereich. Hier soll je eine Wöchnerin zusammen mit ihrem Früh- oder kranken Neugeborenen aufgenommen und versorgt werden. Die positiven Effekte der gemeinsamen Unterbringung von Müttern mit ihren extrem frühgeborenen Kindern sind wissenschaftlich erwiesen. „Bindungsstörungen nehmen ab, die neurokognitive Entwicklung und ein schnelleres Gedeihen werden gefördert und Herz und Atmung werden stabiler. So können auch extrem früh geborene Kinder an der Grenze zur Lebensfähigkeit nach einer sehr kurzen Schwangerschaft noch besser eine enge Bindung zu ihrer Mutter entwickeln“, erläutert Dr. Thomas Frank die Vorteile des Konzeptes. Sieben Zimmer stehen für die Babys bereit, deren Gesundheitszustand stabil ist, die aber noch eine engmaschige Überwachung brauchen. Darunter sind auch zwei Einbettzimmer mit Bad, in denen die Eltern wieder mit einziehen und als Familie für die Zeit nach der Entlassung Sicherheit in der Versorgung ihres Babys erlangen können.

„Damit unser erfahrenes Ärzte- und Pflegeteam den Früh und kranken Neugeborenen bei einem guten Start ins Leben noch besser helfen kann, sind Umbaukosten von ca. 4,5 Mio. Euro nötig. Von dieser Summe werden wir als Hospital 3,25 Mio. Euro selbst aufbringen. Für die besondere, familienfreundliche Raumgestaltung und spezielle Ausstattung brauchen wir allerdings noch Spenden in Höhe von 1,25 Mio. Euro. Davon haben wir mehr als ein Drittel bereits zusammen und brauchen noch rund 780.000 Euro“, erläutert Klaus Abel, Geschäftsführer des St. Franziskus-Hospitals Münster die Planungen für die neue Intensivstation, für die rund zwei Jahre Bauzeit veranschlagt sind. Die Modernisierung und Erweiterung der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am St. Franziskus-Hospital erfolgt in insgesamt vier Bauschritten. Seit Jahresbeginn genießen Kinder zwischen 3 und 17 Jahren und ihre Eltern mehr Raum für Nähe auf ihrer neuen Station mit Afrika- und Polarwelt-Motiven. Durch diesen ersten Bauabschnitt hat sich die Versorgung in der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin am St. Franziskus-Hospital Münster deutlich verbessert. PD Dr. Michael Böswald, Zentrumsleitung der Kinder- und Jugendmedizin, betont: „Kranke Kinder, Eltern und nicht zuletzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen den gewonnen Raum und freuen sich an der modernen Gestaltung. Möglich war der Umbau in dieser Qualität nur durch die Spenden, die für den Bauabschnitt eingegangen sind“.